Seite 4 von 4 Meinungen zum Film
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Oliver Stone: Jeder, der Jim Morrison kannte, hat eine ganz spezielle Meinung zu dem Film. Die Eltern von Pamela Courson haben gegen meine Interpretation der Ereignisse protestiert. Ray Manzarek protestiert gegen jegliche Interpretation von Jim, die seiner eigenen widerspricht. Er mythologisiert Jim. Dann sind da all diese Leute, die sich aufregen, weil ich mich hauptsächlich mit Jim und Pamela befaßt habe. Und dann ist da noch diese rotzfreche Rockpresse, die einfach gerne schreibt: "Nun, Jim hat nicht dies gemacht, sondern jenes." Die kennen alle Aspekte von Jims Leben bis ins kleinste Detail und nehmen das Ganze äußerst ernst. Auch erinnert sich jeder auf ganz eigene Art und Weise an die sechziger Jahre. Ich hatte ein Dutzend Berater zu den sechziger Jahren. Sie waren sich nie darüber einig, wie es nun gewesen ist! (2) (8)
    Ich redete mit vielen Leuten, die alle behaupteten, daß Jim der wichtigste Mensch in ihrem Leben gewesen sei. Mehrere Frauen wandteten sich an mich. Sie sagten alle: "Du kannst diesen Film nicht machen, ohne mit mir geredet zu haben! Du weißt nicht, daß ich es war, den er liebte! Ich war die wichtigste Frau in seinem Leben. Pamela war nur dies und das. Du kennst die genauen Fakten nicht." Mehrere Frauen sagten das! Ich schufte mich eineinhalb Jahre lang zu Tode, um diesen Film zu machen, um etwas wirklich großartiges daraus zu machen, und plötzlich kommen diese Verrückten aus dem Unterholz gekrochen und sagen, er war nicht so, er war nicht so... Alle beschweren sich, denn die ganzen Leute da draußen haben zwei Jobs: Ihren eigenen, und daneben sind sie auch noch Filmkritiker. Manchmal dachte ich mir, ich hätte lieber einen Film über jemanden machen sollen, zu dem die Leute mehr Distanz haben. Über Ernest Hemmingway zum Beispiel. (2)
    Ich griff auf die originalen Transkriptionen der Interviews zurück, die Jerry Hopkins im Jahre 1971 für sein Buch Keiner kommt hier lebend raus geführt hatte. Das Buch war für mich nicht geeignet. Es war zu sensationell – boulevardzeitungsmäßig. Ich benutzte Transkriptionen von Interviews mit 250 Leuten. Unzählige Stunden an Interviews waren mit Leuten geführt worden, die Jim getroffen hatten. Dann redete ich mit zwanzig Leuten, die Jim gekannt hatten – manche von ihnen sogar ziemlich gut. Dann redete ich mit den Doors. Auch verbrachte ich Stunden damit, mir die Schallplatten anzuhören, um die Stimmung der Musik zu erfassen. Dann stellte ich mein Drehbuch zusammen. Natürlich stellt das Material nur eine Auswahl dar. Personen wurden miteinander kombiniert. Ereignisse wurden miteinander kombiniert. Wir haben keinen Dokumentarfilm gedreht. Ich möchte ein Beispiel nennen: Er wurde in Phoenix verhaftet, weil er sich in einem Flugzeug betrunken hatte, und er wurde in Miami wegen obszönem Verhalten verhaftet. Aus dramaturgischen Gründen kombinierten wir beide Ereignisse. Aber – und das ist wichtig – wir haben den Geist der Doors nicht vergewaltigt. Es ist eine Tatsache, daß Jim viel trank. Er war eher ein Alkoholiker als ein Drogenkonsument. Und man kann die ganze Trinkerei einfach nicht ignorieren und so tun, als hätte sie nie stattgefunden. Diese blauäugigen Kritiker, wie ich sie nenne, haben mich attackiert, weil ich die ganze Trinkerei dargestellt habe – als ob man irgendwie diesen Aspekt seiner Persönlichkeit auslöschen könnte, und er dann als guter Junge dastehen würde. Also, so funktioniert das nicht. Jim war ein böser Junge. (2) (8)
    Ich habe einfach das Gefühl, daß ich Morrison kenne. Irgendwie habe ich eine Verbindung zu ihm. Und vielleicht wollte er, daß ich den Film drehe! Ich meine, die verrückteste Geschichte passierte mir vor vier Monaten. 1971 war Morrison in Paris und las Drehbücher. Und vor vier Monaten kam die Frau von Bill Siddons, der der Manager der Doors war, in mein Büro und redete mit mir. Am Schluß legte sie ein Manuskript auf meinen Schreibtisch und sagte: "Ich dachte, das könnte dich interessieren. Das ist das Drehbuch, das Jim in Paris gelesen hatte." Es war ein Exemplar meines allerersten Filmdrehbuchs. Es hieß Break und war etwas völlig surrealistisches, das ich geschrieben hatte, als ich aus Vietnam zurückkam. Es war gespickt mit Doors-Musik und Morrison-Songtexten. Und direkt vor mir lag das Exemplar, das er gelesen hatte, das ich irgendwann an irgendjemanden geschickt hatte, der es ihm gegeben hat. Es war wie ein Zeichen von Jim. (2)

Anmerkung: Oliver Stone kann es drehen und wenden, wie er will – anstatt einen ansprechenden Film zu drehen, der zumindest dem Mythos Jim Morrison gerecht wird (daß ein Film ein genaues Abbild der Realität darstellt, erwartet ja ohnehin niemand), hat er ein ziemlich plumpes Machwerk abgeliefert, das beim Zuschauer bestenfalls peinlichste Betroffenheit hinterläßt, und das weder der realen Person, noch dem Mythos Jim Morrison, noch den Doors oder dem was sie darstellten, in irgendeiner Weise gerecht wird. Dabei ist es fast schon unerheblich, anzumerken, daß der Film im Stil einer zeitgeschichtlichen Dokumentation aufgebaut ist, obwohl Oliver Stone beteuert, eben keine Dokumentation gedreht zu haben. Oder die Tatsache, daß der Titel des Films suggeriert, daß es sich hierbei um einen Film über die Rockband The Doors handelt, obwohl Oliver Stone hauptsächlich die Beziehung zwischen Jim Morrison und seiner langjährigen Freundin Pamela Courson in den Vordergrund gestellt hat. Aber selbst hierbei hat Oliver Stone einen ziemlich gewagten Akt vollführt, denn über diese Beziehung hat sich weder Jim Morrison (außer in einigen seiner Songtexte), noch Pamela Courson jemals öffentlich geäußert. Da alles, was darüber bekannt wurde, auf hörensagen basiert, blieb Oliver Stone letztendlich nichts anderes übrig, als die Aussagen von verschiedenen Bekanntschaften, die behaupten, eine 'Liebesaffäre' mit Jim Morrison gehabt zu haben, in die Beziehung zwischen Pamela Courson und Jim Morrison hineinzuinterpretieren. Andersrum ausgedrückt: Sämtliche Szenen, in denen das persönliche Verhältnis zwischen Jim Morrison und Pamela Courson dargestellt ist, sind völlig frei erfunden, und damit ist in etwa die Hälfte des Films reine Fiktion.
    Dennoch hat Oliver Stone ein unnachahmliches Kunststück vollbracht. Er hat es geschafft, einen Film zu drehen, der sowohl bei Morrison-Anhängern als auch bei Morrison-Hassern gleichermaßen auf Ablehnung stieß. Zwar spielte der Film am ersten Wochenende nach der Veröffentlichung 9,1 Millionen Dollar ein und kam damit auf Anhieb auf Platz zwei der offiziellen amerikanischen Filmhitliste. Dann fiel er jedoch in der Gunst des Publikums schnell durch. Als der Film nach 15 Wochen aus der Hitliste herausfiel, betrugen die Bruttoeinnahmen 34,1 Millionen Dollar, und das deckte gerade so die Produktionskosten des Films. (Zum Vergleich: Der Film Das Schweigen der Lämmer, der zum selben Zeitpunkt wie Oliver Stones Film THE DOORS in die Kinos kam, hatte im selben Zeitraum 121,2 Millionen Dollar eingespielt.)

 
     
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