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Cinema, Mai 1991
The Doors: Absolutely Stoned
Oliver
Stones Musiker-Biographie THE DOORS lief in den USA mit gewaltigem
Erfolg an und spielte allein am ersten Wochenende 9 Millionen Dollar
ein. In der Rolle des Leadsängers Jim Morrison bietet Val Kilmer
eine schauspielerische Ausnahmeleistung.
Es gibt nur einen amerikanischen Regisseur,
der den aufrührerischen Rockrebell aus den späten sechziger Jahren
wieder zum Leben erwecken konnte: Oliver Stone. Platoon (1986)
und Geboren am 4. Juli (1990) waren bittere Abrechnungen
mit dem militärischen US-Abenteuer in Vietnam. Auch Stones achte
Regiearbeit THE DOORS ist im spiegelverkehrten Sinn ebenfalls ein
Film über den Vietnamkrieg, nur daß der Krieg diesmal an der Heimatfront
tobt. Die Protestbewegungen im Land hatten einen tiefen Keil zwischen
die Generationen getrieben. Die Doors waren pulsierendes Instrument
der kulturellen Gegenbewegung, die sich unter dem Eindruck von Vietnam
in Amerika zusammenbraute.
Der Film THE DOORS ist ein höllischer Rockmusik-Express
in ein irdisches Fegefeuer aus Drogen, Gewalt und Exzessen. Val
Kilmer IST Jim Morrison. Diese so häufig mißbrauchte Identitätsgleichsetzung
findet hier ihre tatsächliche Entsprechung. Nicht nur die äußere
Ähnlichkeit ist verblüffend. Kilmer bemächtigt sich der Rolle des
düsteren Rock-Idols mit einer Perfektion, die an eine Metamorphose
grenzt. Doch auch die übrigen Doors sind glänzend besetzt.
Stone zeigt Morrison ungeschminkt: Als romantischen
Eroberer, dem die Frauen zu Füßen liegen, als naiven Träumer und
Phantast, als Gallionsfigur einer auseinanderbrechenden Zeit und
als Kotzbrocken, der seine Freundin Pamela schikaniert. THE DOORS
wird zur Fallstudie eines Mannes, der zunehmend die Kontrolle über
sein Leben verliert. Die Drogen, die er reichlich konsumiert, beeinträchtigen
seine Wahrnehmung, der Alkohol, auf den er umsteigt, benebelt seine
Sinne und enthemmt ihn endgültig ein dirty young man am Rand des
Abgrunds. Stones langjähriger Kameramann Robert Richardson visualisiert
den beständigen Taumelzustand Morrisons durch eine subjektiv eingesetzte,
schwankende Kamera.
Die 40-Millionen-Dollar-Produktion THE DOORS
nährt die Legende um Jim Morrison, verliert aber auch die Tragik
seines Lebens nicht aus den Augen. Entstanden ist einer der besten
Rockfilme aller Zeiten. Vor allem die nachgestellten Doors-Konzerte
mit insgesamt 3.000 Statisten sind von geradezu sensationeller Qualität.
Der Film ist so, wie die Gruppe war: Verstörend, faszinierend, aggressiv,
morbid schillernd. This is the end? Niemals.

Kyle MacLachlan (Ray Manzarek), Frank Whaley (Robby Krieger),
Kevin Dillon (John Densmore) und Val Kilmer (Jim Morrison) als The Doors.

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