Seite 2 von 4 Vorgeschichte
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Im Gegensatz zu seinen Kollegen wollte Keyboarder Ray Manzarek unbedingt einen Film. Zusammen mit Danny Sugerman, Co-Autor der berüchtigten Biographie Keiner kommt hier lebend raus, verbrachte er Jahre damit, die Sache auf die Beine zu stellen. Manzarek, der ein Diplom in Kinematographie hat, versuchte auch, in kreativer Weise Einfluß zu nehmen. Krieger erzählt: "Ich glaube, Ray dachte immer, er könnte die Kontrolle darüber behalten – zumindest in dem Maße, daß der Film seinen Vostellungen gerecht wird. Und deshalb wollte er ihn unbedingt machen. Ich versuchte immer, ihm zu sagen: 'Hey, weißt du, wenn er einmal in Hollywood zu groß wird, dann werden wir die Kontrolle verlieren.'"
     Manzarek würde gerne einen Film sehen, bei dem die Doors im Mittelpunkt stehen, nicht deren Leadsänger. Stone jedoch betrachtet dies klar als einen Morrison-Film, in dem die anderen drei Doors nur eine Nebenrolle spielen. Aus diesem Grund gab es Differenzen zwischen den beiden. Oder, wie Manzarek es darstellt, sie diskutieren nicht, sie schreien sich gegenseitig an. Manzareks Vorstellung? "Ich sehe den Film als eine freudige Feier der Jugend und des Lebens. Wie einen großen, aufsteigenden Lichtbogen. Und dann, peng, stirbt der Leadsänger in Paris. Und der Film wird zu einer amerikanischen Tragödie – er zeigt nicht nur, was mit den Doors geschehen ist, sondern auch, was mit Amerika geschehen ist. Ich möchte, daß der Film spirituell, transzendent, psychologisch, psychedelisch und verdammter Rock 'n' Roll ist."
     Co-Produzent Bill Graham, in dessen berühmten Auditorien Winterland und Fillmore die bekanntesten Bands der sechziger Jahre auftraten, hofft auf einen Lobgesang auf diese Ära. "Diese Zeit war einzigartig. Es war eine Zeit blinder Hoffnung. Offensichtlich waren nicht genügend Leute da, um eine Veränderung herbeizuführen, aber es gab eine bedeutende Anzahl an Leuten, die sagten: 'Was läuft schief mit dieser Welt?'"
     Für Stone ist der Morrison-Film eine Fortsetzung seiner cineastischen Reise durch die turbulente Landschaft der sechziger Jahre. Nur erkundet er diesesmal die andere Seite von Geboren am 4. Juli – einem Film, der auf der Autobiographie von Ron Kovic basiert. "Mit diesem Film stelle ich die andere Seite der sechziger Jahre dar," sagt Stone. "Ron entschied sich für das Militärleben, Jim dachte nicht daran. Ron war ein Eagle Scout. Jim Morrison war kein Eagle Scout. Er war ein böser Junge – der Rebell.

Für manche ist der Rebell, der gepeinigte Poet, zum Gott geworden, zu einem modernen Dionysois. Es überrascht nicht, daß die Mythologisierung Morrisons im Tandem mit der Wiederentdeckung der Doors erfolgte. Diese wurde im Jahre 1978 durch AN AMERICAN PRAYER losgetreten, einem Album, auf dem Jim Morrison Gedichte liest, die 1970 aufgenommen wurden, und von neuen Instrumentalaufnahmen der Doors begleitet wird. Ein Jahr später wurde der beklemmende Doors-Song The End für die Anfangsszene von Francis Coppolas epischem Vietnam-Film Apocalypse Now verwendet. Dann kam der kontroverse 1980er Wälzer Keiner kommt hier lebend raus. Ein Jahr darauf wurde das Video The Doors: A Tribute To Jim Morrison im Kabelfernsehen gezeigt. Im September 1981 verkündete die Zeitschrift Rolling Stone mit einem Cover, das ihr berühmtestes werden sollte, Doorsmanie: Jim Morrison als Coverboy und die Schlagzeile: "Er ist heiß, er ist sexy und er ist tot."

Danny Sugerman war 13 als er begann, im Büro der Doors herumzuhängen. Schließlich wurde er beauftragt, die Fan-Post zu beantworten und Presseberichte zu sammeln. Später, nach Morrisons Tod und der Auflösung der Doors, wurde er Manzareks Manager. Auch wurde er Co-Autor der Biographie Keiner kommt hier lebend raus und gab ihr den Anschein, sie würde von einem Doors-Insider stammen. Seit ihrer Publikation hat die Biographie die Morrison-Lager buchstäblich gespalten. Denn letztendlich geht sie kaum auf Jim Morrisons gute Seiten ein, und Pamela Courson, Morrisons langjährige Freundin, kam auch nicht als vorbildliches amerikanisches Mädchen davon.

 
     
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