| |
Los Angeles Times, 7. Januar 1990
Die
Rückkehr von Jim Morrison
Fast zwanzig Jahre nach seinem Tod ist
Jim Morrison, der rätselhafte Sänger der Doors, auf dem Weg in ein
Kino in eurer Nähe. Es war keine einfache Auferstehung. Wie Morrison
selbst, war die Reise seiner Lebensgeschichte auf die Leinwand düster,
mühsam und kompliziert. Das zehn Jahre lange Streben wurde von heftigen
Meinungsverschiedenheiten zwischen den drei noch lebenden Doors
und den Morrison-Erben dominiert. Einige der Streitigkeiten drehten
sich um die kontroverse Morrison-Biographie Keiner kommt hier
lebend raus, die von den Erben verabscheut wird. Erst als der
legendäre Rock-Impresario Bill Graham im Jahre 1985 in den Streit
eingriff und als eine Art Vermittler fungierte, konnten alle erforderlichen
Filmrechte erworben werden.
Während der heftigen Streitigkeiten, und
darüber hinaus, wurden Projekte angekündigt und wieder verworfen.
Es fanden Treffen mit einer riesigen Anzahl Topproduzenten, Regisseuren
und Schauspielern statt. Mehrere Filmgesellschaften waren beteiligt.
Schließlich fand das Projekt seinen Weg zu Oliver Stone, der Soldat
in Vietnam war, als er zum erstenmal die Musik der Doors hörte.
"Sie haute mich total um," erinnert sich Stone und will dies "im
allerweitesten Sinne" verstanden wissen. "Jim Morrisons Geschichte
repräsentiert Themen über das Suchen eines neuen Bewußtseins und
neue Formen der Freiheit." Stone bereitet nun das immer noch unbetitelte
"Doors-Projekt" für einen Drehbeginn im März vor.
Es mag seltsam erscheinen, daß Stone,
der bekannteste Vietnam-Veteran der Filmindustrie, das Drehbuch
schreibt und Regie führt bei einem Film über eine Gruppe, die die
radikale Bewegung der sechziger Jahre repräsentierte, die von Kriegsgegnern
bis hin zu Kriegsdienstverweigerern reichte. Wie es scheint, sieht
Stone Morrison als einen Soldaten, der um der Kunst willen die Grenzen
des Bewußtseins überschritt. "Auf seine eigene Art war er in gewisser
Weise an vorderster Front. Er war ein Krieger," sagt Stone. "Er
war ein ausgestoßener Rebell, der an den Grenzen rüttelte. Ein Forscher,
der über Sex und Tod schrieb zwei Dinge, zu denen jeder, der in
Vietnam war, einen Bezug hat."
Doch
der Morrison-Film bleibt weiterhin ein cineastisches Minenfeld,
mit Hindernissen wie vertragliche Bedingungen der Morrison-Erben,
die die Möglichkeiten des Films einschränken, Morrisons Familienleben
darzustellen, und das Dilemma, die Komplexität und das Mysterium
einer der kontroversesten Persönlichkeiten der Popkultur einzufangen.
Alle, die ihn kannten die Doors, Morrisons Saufkumpel, seine unzähligen
Romanzen scheinen einen anderen Mann gekannt zu haben. Sich der
Schwierigkeiten bewußt, macht Stone ein überraschendes Geständnis:
"Ich hätte lieber nichts mit diesem Film zu tun." Warum macht er
ihn dann? "Die Sache ist die: Ich kann nicht anders. Ich bin besessen
von Morrison." "Dieser Typ ist im Prinzip wie ein Spiegel. Man kann
sich in gewisser Weise in ihm wiedererkennen," erklärte Sasha Harari,
der israelische Produzent, der seit 1982 mit Morrisons Geschichte
zu tun hat, und der nun der Verwirklichung des Projekts entgegensieht.
Doors-Gitarrist Robby Krieger bekämpfte
jahrelang die Absichten, einen Morrison/Doors-Film zu machen. "Ich
war nie davon begeistert. Ich glaubte einfach nie, daß irgendjemand
in einem Film darstellen könnte, wie es wirklich war." Schlagzeuger
John Densmore ist philosophisch: "Ich versuche, an der ursprünglichen
Idee festzuhalten. Wir erwarten nicht, daß dieser Film die Wahrheit
zeigt. Wie ein Freund von mir einst sagte: Sie werden eure Karriere,
die sechs Jahre dauerte, nehmen, sie auf zwei Stunden zusammenquetschen,
und sie dann auf die Größe eines zweistöckigen Gebäudes aufblasen.
Wird das Realität sein? Nein. Aber wenn der Film ein gewisses Maß
an Wahrheit enthält, dann ist er die Sache wert. Wenn er individuelles
und soziales Bewußtsein in den neunziger Jahren erweckt, dann ist
er die Sache wert."
|
|