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Der mysteriöse Tod von Jim Morrison
Vor 38 Jahren starb der legendäre Sänger der Doors in Paris

Von Jochen Tittmar
3. Juli 2009

„Er will unsterblich werden.“ Dies vertraute Pamela Courson, Lebenspartnerin des Doors-Sängers Jim Morrison, einer Bekannten wenige Wochen vor seinem Tod an. Als er am 3. Juli 1971 in der Badewanne seiner Pariser Exil-Wohnung unter völlig nebulösen Umständen starb, ahnte noch niemand, dass genau dies einmal Wirklichkeit werden würde.

Jim Morrison ist auf zahlreichen Ebenen ein undurchsichtiges Mysterium. Fester Bestandteil dieses so geheimnisumwitterten Menschen ist der von den „drei überlebenden Doors“ mehr oder minder bewusst geschaffene Mythos um seinen frühen Tod. Bis heute streiten sich Freunde, Bekannte, Experten, Laien, Fans, Geschäftemacher und solche, die es werden wollen, um die wahren Hintergründe und Umstände, die Jim Morrison nur 27 Jahre alt werden ließen: Wie und wo ist er gestorben? Wann? Woran? Drogen? Alkohol? Herzinfarkt? Selbstmord? Wurde er ermordet? Ist er überhaupt tot?

Dies ist nur ein Auszug aus dem mitunter kuriosen Portfolio an ungeklärten Fragen, die die immer noch zahllose Anhängerschaft des Sängers bis heute bewegt. Plausible Antworten gab es in den 38 Jahren seit seinem Tod keine.

Nach diesen jahrzehntelangen Spekulationen meldet sich nun Heinz Gerstenmeyer, Autor des Buches Sounds For Your Soul – Die Musik der Doors, zu Wort und behauptet, in seinem Buch Der mysteriöse Tod von Jim Morrison die Todesursache und die wahren Umstände, unter denen er starb, ans Licht gebracht zu haben.

„Ich habe Mitte der 1970er Jahre angefangen, alle nur erdenklichen Informationen über Jim Morrison zusammen zu tragen,“ sagt Heinz Gerstenmeyer, „aber alles, was ich jemals über seinen Tod gelesen habe, hat für mich nur eins bewiesen: Dass es so nicht gewesen sein konnte!“

Selbst wer sich eingehend mit diesem Thema, und allem, was dazu in all den Jahren veröffentlicht wurde, beschäftigt hat, muss feststellen, dass gewichtige Fragen bisher unbeantwortet blieben: Warum diagnostizierten die Ärzte lediglich Herzversagen? Warum wurde keine Obduktion vorgenommen? Wieso hält sich, trotz der seit Jahren veröffentlichten Todesurkunden, nach wie vor hartnäckig das Gerücht, Jim Morrison sei an einer Heroinüberdosis gestorben – und das obwohl sämtliche Freunde und Bekannte von ihm behaupten, bei ihm nie irgendwelche Anzeichen von Heroinkonsum festgestellt zu haben? Und vor allem: Wie kann es sein, dass überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, dass er nie gestorben ist? Alles Mosaikstückchen im Mysterium um einen Tod, der nicht sein konnte, weil er nicht sein durfte.

„Ich hatte insbesondere in den letzten sechs Jahren die Gelegenheit, mit vielen Leuten, die Jim Morrison näher kannten, zu reden. Alle haben eine festgefahrene Meinung darüber, unter welchen Umständen er gestorben ist. Dennoch stellte sich bei meinen Befragungen immer sehr schnell heraus, dass diese Meinungen lediglich auf Mutmaßungen basieren“, so Heinz Gerstenmeyer.

Wie kann es also sein, dass der Autor nun die wahren Umstände, unter denen Jim Morrison gestorben ist, herausgefunden haben will?

„Der Hauptgrund, weshalb bis heute niemand die wahren Umstände herausgefunden hat, ist der: Alle glauben, dass Jim Morrisons langjährige Freundin Pamela Courson der Pariser Kriminalpolizei eine völlig frei erfundene Geschichte aufgetischt hat und dass die Kriminalpolizei auch noch so blöd war, diese zu glauben. Zudem ignorieren die Leute unumstößliche Fakten, kennen diese erst gar nicht oder verdrehen sie nach eigenem Gutdünken zu einem Bild, das mit der Realität nichts zu tun hat,“ erklärt Heinz Gerstenmeyer.

Wer Heinz Gerstenmeyers Buch liest, wird schnell erkennen, dass sich diesem Thema vor ihm noch nie jemand mit derartiger Akribie und kriminalistischem Feingespür gewidmet hat. Aussagen von Freunden und Bekannten, Interviews, Zeitungsartikel, Dokumente, Todesurkunden und sonstige Aufzeichnungen werden geradezu durch die Mangel gedreht, penibel analysiert und die dadurch gewonnenen Erkenntnisse zu einem letztendlich logischen Bild zusammengefügt. Selbst die Aussagen von Pamela, sowie die von Alain Ronay, einem engen Freund von Jim Morrison, wurden bis ins letzte Detail auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Dabei ging Heinz Gerstenmeyer auch dem winzigsten Widerspruch auf den Grund und weist diesen dem Leser plausibel nach, indem er aufzeigt, wie und durch was er entstanden ist oder sein könnte. Der gesamte Themenkomplex wird von allen nur erdenklichen Seiten beleuchtet. Nicht selten zieht Heinz Gerstenmeyer auch abwegige Theorien in Betracht, nur um dem Leser dann vor Augen zu führen, dass es mit Sicherheit so nicht gewesen sein konnte.

Doch Heinz Gerstenmeyers Buch ist keine bloße Aneinanderreihung von Fakten und Analysen. Beim Lesen baut sich eine Spannung wie bei einem Kriminalroman auf, die es einem nicht erlaubt, das Buch aus der Hand zu legen. Stück für Stück fügen sich die Puzzleteile, die Heinz Gerstenmeyer nach und nach aus dem undurchsichtigen Dschungel aus Halb- und Unwahrheiten herauskristallisiert, zusammen, bis sich schließlich alle Widersprüche auflösen, und, fast wie von selbst, die Wahrheit ans Licht kommt.

Noch nie wurden die letzten Monate, Tage, Stunden – ja sogar die letzten Minuten – in Jim Morrisons Leben so lückenlos rekonstruiert. Der Mythos „Jim Morrison lebt“, der aus handfesten geschäftlichen Interessen immer wieder aufgewärmt wurde, zerplatzt durch Heinz Gerstenmeyers Buch wie eine Seifenblase.

Nebenbei wird auch deutlich, dass Jim Morrison, als er sich nach Paris zurückzog, keineswegs ein alkohol- und drogengeschädigtes Wrack gewesen ist. Der Verfasser von drei Gedichtbänden betrachtete sich selbst in erster Linie als Poet und Schriftsteller. Er hatte einfach keine Lust mehr auf sein Dasein als Rockstar. Er wollte sich auf literarische Arbeiten konzentrieren, Theaterstücke und Filmdrehbücher schreiben. Zudem hatte er bereits einen Vertrag mit dem Produzenten John Haeny unterschrieben, um seine Gedichte als Lesung auf einer Schallplatte zu veröffentlichen. Diese Pläne fanden am Morgen des 3. Juli 1971 ein jähes Ende.

Vielleicht mag man sich nach der Lektüre von Heinz Gerstenmeyers Buch dennoch die Frage stellen: Ist das nun die absolute Wahrheit über Jim Morrisons Tod?

„Ich habe immer geglaubt, dass alle, die Jim Morrison näher kannten, mehr wissen, als sie sagen“, sagt Heinz Gerstenmeyer. „Dies hat sich jedoch als falsch herausgestellt. John Haeny war der einzige, der etwas genaueres über Jim Morrisons Tod wusste, da er unmittelbar nach seinem Tod nicht nur mit Pamela, sondern auch mit ihren Eltern geredet hat. Es werden definitiv keine weiteren Fakten mehr auftauchen, aus denen sich ein anderes Bild ergeben könnte, als ich es in meinem Buch gezeichnet habe. Und Alain Ronay und die französische Filmregisseurin Agnès Varda können, sofern sie sich eines Tages doch noch dazu entschließen sollten, die Wahrheit zu sagen, nur das bestätigen, was ich in meinem Buch geschrieben habe.“

Heinz Gerstenmeyer: Der mysteriöse Tod von Jim Morrison. Erschienen am 7. Januar 2009. 256 Seiten. 24 Farb- und 173 Schwarzweiß-Abbildungen. ISBN: 978-3-8370-6427-8. EUR 17,90.

 
     
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