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Jim Morrison

5a. Patricia Kennealy: Strange Days – My Life With And Without Jim Morrison

USA, April 1992. Hardcover, 429 pages plus 8 pages with 15 black & white photos. Dutton Books / Plume / Penguin Group, New York. ISBN: 0-525-93419-7. $23.

   

In den Jahren 1971 und 1972 hatte Patricia Kennealy laut eigenen Angaben einen nie veröffentlichten "Schlüsselroman über Jim und mich" verfasst, den sie dann als Grundlage für das Buch Strange Days nahm und "in die Biographieform zurückübersetzt(e)". Bei diesem Verfahren hat sie sich offensichtlich eine weit bedeutendere Rolle in Jim Morrisons Leben angedichtet, als sie tatsächlich gespielt hat. Denn Patricia Kennealys Liebesgeschichte zwischen dem berühmtesten amerikanischen Rocksänger der sechziger Jahre und einer erfolgreichen Journalistin – die sich nicht damit begnügte, sich auszumalen, was wohl passieren würde, wenn das Poster mit dem geliebten Star an der Wand plötzlich lebendig würde, sondern alles daran setzte, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen – hat leider mehrere Schönheitsfehler.
   Zum einen hat Patricia Kennealy Jim Morrison in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahren (25. Januar 1969 bis 20. Februar 1971) bei ganzen neun (!) Anlässen, die im Abstand von meist mehreren Monaten stattfanden, persönlich getroffen, ihn dabei ziemlich genau an 34 Tagen gesehen und nach eigenen Angaben etwa 22 Nächte mit ihm verbracht (da sie jeden Schritt und Tritt, den sie mit Jim Morrison unternahm bis ins hinterletzte Detail beschreibt, nehme ich an, daß sie keines der ohnehin sehr dünn gesähten Treffen ausließ, und ich unterstelle jetzt einmal nicht, daß sie welche hinzugedichtet hat). Die Zeit, die Patricia Kennealy mit Jim Morrison verbrachte, läßt sich also anhand ihrer eigenen Angaben auf gerade mal drei bis vier Wochen summieren.
   Zum anderen fanden die ersten fünf Treffen ausschließlich dann statt, wenn Jim Morrison – dessen Terminkalender beileibe nicht so voll war, daß er sich nicht öfter bei ihr blicken hätte lassen können – ohnehin in New York war. Im Juni 1970 flog Jim Morrison dann ein einziges Mal nach New York, um Patricia Kennealy während eines Zwischenaufenthaltes auf einer Reise nach Paris zu besuchen, und die restliche Zeit ihrer Bekanntschaft mit Jim Morrison verbrachte sie damit, ihm ein Mal nach Miami und zwei Mal nach Los Angeles hinterherzureisen. Und nach allem, was Patricia Kennealy über ihr Verhalten nicht nur Jim Morrison gegenüber während dieser Treffen schildert, dürfte er von ihrer Anwesenheit alles andere als angetan gewesen sein.
   Hinzu kommt, daß in Patricia Kennealys Schilderungen immer wieder störende Kleinigkeiten auftauchen. Zum Beispiel gibt sie an einer Stelle an, sie hätte unter anderem deshalb abgetrieben, weil sie Mangels Jim Morrisons Bereitschaft, Unterhalt für ein Kind zu zahlen, das er nicht wollte, von Sozialhilfe hätte leben müssen. Dies ist natürlich völliger Blödsinn, denn Patricia Kennealy hätte in den USA – anders als zum Beispiel in Deutschland – nicht nur Unterhalt für das Kind, sondern auch noch eine immense Summe für sich selbst einklagen können. Und das ohne sonderliche Schwierigkeiten, denn bei eventueller Zahlungsunwilligkeit Jim Morrisons hätte sie ohne weiteres über Elektra Records Zugang zu seinem Geld bekommen können.
   Andere störende Kleinigkeiten sind zum Beispiel, daß Patricia Kennealy aus der 'Hexenhochzeit' im Juni 1970 nun plötzlich einen mords Hau macht, obwohl sie selbst 1986 in einem Interview mit Victoria Balfour (die sie in Strange Days nun der Verfälschung des Interviews bezichtigt) angab, daß Jim Morrison diese Hochzeit wahrscheinlich überhaupt nicht ernst genommen habe, und dies 1989 – dabei ausdrücklich auf das Interview mit Victoria Balfour angesprochen – in einem Interview mit Ko Lankester (der in der Danksagung von Strange Days erwähnt wird) wiederholte. In diesem Interview mit Ko Lankester gibt Patricia Kennealy übrigens auch an, sie würde den posthum veröffentlichten Jim-Morrison-Gedichtband Wildnis selbst dann nicht lesen, wenn man ihr eine Pistole an den Kopf halten würde, schreibt dann aber in Strange Days, sie hätte in der Druckerei, bei der sie angestellt war, die Druckfahnen zu Wildnis (dessen amerikanische Originalausgabe im November 1988 erschienen ist) korrekturlesen müssen...
   Eine weitere störende Kleinigkeit halte ich persönlich für ziemlich bezeichnend: An einer Stelle entrüstet sich Patricia Kennealy darüber, in welch erbärmlichem Zustand sie Jim Morrisons Grab kurz nach seiner Beerdigung vorfand und brüstet sich dann damit, wie viele Tonnen an Blumen sie daraufhin an sein Grab geschafft habe. Dieses Blumenmeer ist jedoch auf keinem einzigen Foto, das Patricia Kennealy – nicht nur in Strange Days, sondern auch in verschiedenen anderen Publikationen – veröffentlicht hat, zu sehen. Sie hat also zuerst fotografiert, dann das Grab geschmückt, und hinterher darauf verzichtet, zumindest ein einziges Foto vom geschmückten Grab zu machen? Na, ja... Da drängt sich wohl eher der Verdacht auf, daß Patricia Kennealys Blumenmeer nur in ihrer Phantasie existierte.
   Natürlich kann man mir zumindest in diesem Fall nun Kleinkrämerei vorwerfen, aber derartige störende Kleinigkeiten finden sich in Patricia Kennealys Buch gar viele, und zusammengenommen ergeben sie eben genau das Bild, das Patricia Kennealy gleichzeitig geradezu krampfhaft und äußerst wortreich wegzudiskutieren versucht. Warum Jim Morrison im März 1971 lieber seiner langjährigen Freundin Pamela Courson nach Paris hinterherreiste – obwohl (oder gerade weil?) diese drauf und dran war, eine Affäre mit einem reichen französischen Adligen zu beginnen – anstatt zu seiner heißgeliebten Patricia nach New York zu ziehen, wo er ebenfalls problemlos in die Anonymität abtauchen hätte können, erklärt sich praktisch von selbst.
   Man braucht also nicht einmal die Aussagen anderer Leute, zum Beispiel die einer engen Freundin von Patricia Kennealy namens Janet Erwin, die in Strange Days als eine oberflächliche Bekannte namens 'Tiffany' dargestellt wird (und die im Februar 1971 selbst eine kurze Affäre mit Jim Morrison hatte), heranzuziehen, um zu wissen, daß es mit Patricia Kennealys selbsterklärter Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit nicht allzu weit her ist: Diese Freundin erzählte im März 1999, daß sich Patricia Kennealys Liebesaffäre mit Jim Morrison lediglich auf einen Zeitraum von etwa eineinhalb Wochen im Juni 1970 beschränkte; daß Patricia Kennealy hauptsächlich deshalb abtreiben ließ, weil sie nicht sicher war, daß das Kind tatsächlich von Jim Morrison stammte, ihm aber trotzdem, verbunden mit massiven Drohungen, einredete, das Kind stamme von ihm (in diesem Fall hätte ihr bei Zahlungsunfähigkeit des wirklichen Vaters in der Tat der Gang zum Sozialamt gedroht); daß Patricia Kennealy die Abtreibung nur deshalb so lange hinauszögerte, bis sie auch für sie selbst zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit wurde, weil sie hoffte, Jim Morrison dazu bewegen zu können, das Kind noch vor der Geburt als sein eigenes anzuerkennen, oder sie aus Mitleid zu heiraten (und damit selbstverständlich volle Unterhaltsansprüche zu erlangen – somit erklären sich auch Patricia Kennealys geradezu suchthafte Versuche, mit absoluter Gewissheit herauszufinden, ob Jim Morrison und Pamela Courson verheiratet waren oder nicht); daß sich Jim Morrison nach Juni 1970 nur noch deshalb mit Patricia Kennealy abgab, weil er tatsächlich glaubte, das Kind wäre von ihm gewesen und er wegen der Abtreibung Schuldgefühle gegenüber Patricia Kennealy hatte, aber ansonsten erklärtermaßen absolut nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte; daß Patricia Kennealy Anfang Februar 1971 nur deshalb für längere Zeit nach Los Angeles kam, um sich diesesmal mit absoluter Gewissheit von Jim Morrison schwängern zu lassen... Und das sind eben genau die Dinge, die man in Patricia Kennealys Schilderungen ohnehin zwischen den Zeilen lesen kann.

Natürlich entbehrt Patricia Kennealys Buch nicht auch einer gewissen Tragik, denn am Ende des Buches angekommen merkt wirklich jeder, daß ihre 'kosmische Liebesgeschichte' nichts anderes als ein Luftschloss ist, das auf Treibsand gebaut wurde, und daß die einzige, die dies bis heute nicht gemerkt zu haben scheint (oder seit geraumer Zeit nun nicht mehr wissen will), Patricia Kennealy ist. Sie verscherzt sich jedoch systematisch und konsequent jegliche Anteilnahme und Sympathie des Lesers, indem sie mit Ausnahme von vielleicht zwei oder drei Leuten buchstäblich über alle, die ihr scheinbar jemals begegnet sind, Gift und Galle verspritzt und ihnen Tod, Teufel und die Pest an den Hals wünscht.

Letztendlich erfahren wir in diesem Buch restlos alles über Patricia Kennealy, über ihren äußerst zweifelhaften Charakter, und vor allem Dinge, die uns in Bezug auf Jim Morrison oder die Doors nie interessiert haben. Wir erfahren weiterhin ziemlich viel darüber, was Patricia Kennealy von Jim Morrison hielt – aber ehrlich, wen interessiert das schon? Vor allem aber erfahren wir in diesem Buch so gut wie garnichts über Jim Morrison.

Janet M. Erwin (Albuquerque, New Mexico, March 1999): Ich habe nur noch dies über meine ehemalige Freundin zu sagen: Ich habe nicht die geringsten Sympathien mehr für sie übrig. Diese starben einen sehr schnellen Tod als No One Here Gets Out Alive veröffentlicht wurde und ich die wahre Patricia in ihrer ganzen zweifelhaften Herrlichkeit sah; und als 1986 das Buch Rock Wives erschien, in dem sie nicht nur ihre ursprünglichen Märchen noch weiter aufblies, sondern auch einige meiner Erlebnisse in sie hineintransplantierte. Sie hat wiederholt ihren völligen Mangel an Stolz demonstriert, ihren Mangel an Zuneigung für irgendjemanden außer für ihr jämmerliches Selbst, und, vor allem, ihren wahrhaft bösartigen und rachsüchtigen Charakter.

   
Jim Morrison

5b. Patricia Kennealy: Strange Days – My Life With And Without Jim Morrison

USA, Mai 1993. Paperback, 5.97" x 9.01", 449 pages plus 8 pages with 15 black & white photos. Plume Books / Penguin Books, New York. ISBN: 0-452-26981-4. $17.

Revised and expanded edition.

   
Jim Morrison

5c. Patricia Kennealy: Strange Days – My Life With And Without Jim Morrison

Great Britain, May 1992. Hardcover, 6.25" x 9.5", 429 pages plus 8 pages with 15 black & white photos. Harper Collins Publishers, London. ISBN: 0002239426.

   
Jim Morrison

5d. Patricia Kennealy-Morrison: Strange Days – My Life With And Without Jim Morrison

Great Britain, 25 October 1993. Paperback, 458 pages. Harper Collins Publishers, London. ISBN: 0-586-21521-2. £7.99.

Reprinted 16 March 1998.

 
Jim Morrison

5e. Patricia Kennealy-Morrison: Strange Days – Mein Leben mit Jim Morrison *

Deutschland, 1998. Gebundene Ausgabe, 500 Seiten plus 8 Seiten mit 15 Schwarzweiß-Abbildungen. VGS Verlagsgesellschaft, Köln. ISBN: 3-8025-2522-1. DM 49,80.

     
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